Monday, 2 September 2013

Keine Kompromisse!

Drei Thesen über den langfristigen Erfolg Bitcoins  – von Frank Braun

Was benötigt Bitcoin, um auf Dauer erfolgreich zu sein? In aller Kürze: keinen Staat, keine Banken und ein funktionierendes Over-the-Counter-System. Hier meine drei Thesen:

1. Die Bitcoin-Community sollte keinen legalen Status für Bitcoin anstreben und mögliche Konflikte nicht vom Staat regeln lassen.

2.
Die Bitcoin-Community sollte nicht anstreben, dass Bitcoin mit dem traditionellen Bankensystem kompatibel wird.

3.
Überall verfügbare Over-the-Counter-Anbieter für Bitcoins sind ausschlaggebend für den langfristigen Erfolg von Bitcoin.


Lassen Sie mich diese Hypothesen erklären. Die Public-Choice-Theorie besagt, dass die Menschen nach ihren Eigeninteressen handeln – etwas, das der gesunde Menschenverstand bestätigt. Dies schließt Politiker, Banker und Polizisten ein. Es ist sehr wichtig, sich diese einfache Wahrheit vor Augen zu halten: alle Menschen tun, was in ihrem eigenen Interesse liegt. Man kann nicht davon ausgehen, dass diese mit unseren Interessen übereinstimmen. In den meisten Fällen tun sie dies nicht.

Es gibt keine Menschen, die „für das Gemeinwohl arbeiten“. Selbst Menschen, die scheinbar selbstlos anderen helfen, tun dies tatsächlich, um in Übereinstimmung mit ihrem eigenen (oft religiösen) Wertesystem zu leben. 


Bitcoin braucht keinen Staat

Der Staat ist ein regionales Gewaltmonopol, das Ressourcen (normalerweise Geld) aus seinen Bürgern presst. Diese nutzt er hauptsächlich, um sich selbst, seine Kriege und seinen Überwachungsapparat zu finanzieren. Den Rest verwendet er, um Dienstleistungen für seine Bürger bereitzustellen, die von einem freien Markt besser und billiger angeboten werden könnten. Diese Dienstleistungen werden benutzt, um die Existenz des Staates zu rechtfertigen, doch der wirkliche Grund dafür ist das leichte Geld, dass die Machthaber durch den Staat bekommen können.

Dieses Geld wird den produktiven Bürgern auf zweierlei Weise weggenommen: einerseits durch direkte Besteuerung, andererseits durch das Staatsmonopol auf die Geldversorgung – durch Inflation nimmt die Kaufkraft des ungedecken Staatsgeldes ständig ab. Dabei ist die zweitgenannte Methode effektiver, weil sie von der unwissenden Masse viel schwerer zu durchschauen ist.

Die Eigeninteressen der vom Staat Profitierenden, die Schlussfolgerungen aus der Public-Choice-Theorie und die Eigenschaften Bitcoins bilden zusammen das Potenzial für eine Menge Ärger. Bitcoin verhindert Inflation, denn es gibt keine Inflation im Bitcoin-System, sobald alle Münzen geschürft sind. Bitcoin erleichert Steuerumgehung, denn es ist kaum zu regulieren und zu kontrollieren. Bitcoin ist somit lebensbedrohlich für den Staat, denn es zielt direkt auf die Wurzel seiner Finanzierung.

Daraus folgt, dass der Staat Bitcoin mit allen Mitteln bekämpfen wird, sobald seine Vertreter sich der Gefährdung ihrer Interessen durch Bitcoin bewusst werden. Nach meiner Ansicht ist es absolut lächerlich zu glauben, dass der Staat Bitcoin begeistert annehmen wird. Das wahrscheinlichste Szenario ist es, dass der Staat versuchen wird, Bitcoin komplett außer Betrieb zu setzen. Wenn dies nicht möglich ist – und seine dezentrale Natur macht es in der Tat schwierig – wird er Bitcoin so verändern wollen, dass es Regulierungen zur Identifizierung der Nutzer („Know your Customer“) ermöglicht.

Warten wir mal die Diskussionen in der Bitcoin-Community ab, wenn der Staat mehr und mehr Bitcoin-Tauschbörsen und -Unternehmen in die Knie zwingt. Akteure wie die Bitcoin Foundation werden dann versuchen, die Situation in Ordnung zu bringen, indem sie mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten, um Bitcoin an die Vorschriften anzupassen.

Die Bitcoin-Community sollte es daher gar nicht erst versuchen, einen legalen Status zu erreichen und den Staat nicht nutzen, um Konflikte innerhalb der Community zu schlichten. Dies würde nur ungewollte Aufmerksamkeit auf das Bitcoin-Ökosystem lenken. Die Eigeninteressen der Staatsvertreter stehen einer Legalität und Regulierung Bitcoins in seiner aktuellen Form diametral entgegen.


Bitcoin braucht keine Banken

Banken sind die Hauptprofiteure des Teildeckungssystems: sie können sich für geringe Zinsen Geld von der Zentralbank leihen und für jeden bei der Zentralbank geliehenen Euro 50 Euro an Krediten vergeben und dafür Zinsen kassieren. Sie operieren in einer der am stärksten vom Staat regulierten Branche, was hohe Markteintrittsbarrieren und damit eine geringere Konkurrenz bedeutet. Dies führt zu hohen Profiten, zum Beispiel durch Transaktions- und Kreditkartengebühren. 

Finanzdienstleister wie PayPal, Western Union oder Money Gram verlangen ebenfalls hohe Gebühren, weil die regulatorischen Hürden die Konkurrenz reduzieren und hohe Kosten verursachen. Ihre wichtigsten Kunden sind Arbeitnehmer aus dem Ausland, die Geld nach Hause schicken und von denen sie horrende Gebühren verlangen, die wie eine Extrasteuer für Arme wirken.

Bitcoin bedroht ihr Geschäftsmodell und stellt für sie ein Risiko dar. Daher werden Bitcoin-Tauschbörsen von mit ihnen im Wettbewerb stehenden Finanzinstituten angegriffen werden. Ein erfolgreiches Bitcoin-System läuft den Eigeninteressen der etablierten Finanzbranche zuwider. Es ergibt für sie keinen Sinn, sich langfristig mit den regulatorischen Herausforderungen auseinanderzusetzen, die durch Bitcoin entstehen.

Wenn die Bitcoin-Wirtschaft sich in Abhängigkeit vom traditionellen Bankensystem bringt, wird sie scheitern. Stellen Sie sich nur vor, was passiert, wenn die Tauschbörse Mt. Gox, über die zur Zeit rund 80 Prozent aller Bitcoin-Tauschgeschäfte laufen, plötzlich schließen müsste. Diese Überlegungen bestätigen meine zweite Hypothese: dass die Bitcoin-Community sich nicht darum bemühen sollte, Bitcoin mit dem herkömmlichen Bankensystem kompatibel zu machen.


Bitcoin braucht OTC-Händler

Wir haben nachgewiesen, dass wegen der differierenden Eigeninteressen sowohl der Staat als auch der traditionelle Finanzsektor natürliche Gegner für den Bitcoin sind. Um seine langfristige Stabilität und seinen dauerhaften Erfolg zu sichern, brauchen wir daher ein komplett eigenständiges Tauschnetzwerk, und zwar ein Netzwerk von Over-the-Counter-(OTC)-Händlern.

Von einem OTC-Tausch spricht man, wenn sich zwei Menschen an einem realen Ort treffen und Bitcoins gegen Bargeld, Gold oder Silber tauschen. OTC bedeutet, dass das Bargeld nicht per Post oder per Banküberweisung geschickt wird. Ein weitverbreitetes Netzwerk von OTC-Händlern ist am widerstandsfähigsten gegen staatliche Angriffe, weil es stark dezentralisiert ist und das klassische Bankensystem komplett umgeht.

Meiner Ansicht nach ist eine möglichst umfassende Verfügbarkeit von OTC-Bitcoin-Händlern das A und O für den langfristigen Erfolg von Bitcoin und den dadurch möglichen Zugewinn an Freiheit.

Wer an praktischen Tipps interessiert ist, wie man Bitcoin-OTC-Handel betreibt, kann sich meinen Guide Secure and Professional Bitcoin OTC Exchanges (in englischer Sprache) kostenlos herunterladen.


Frank Braun ist Software-Entwickler und schreibt regelmäßig für das Online-Magazin shadowlife.cc

Beiträge von Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der BXB-Redaktion wieder.

1 comment:

  1. Aber man sollte schon so viel aufklären wie irgend möglich. Es muss das Bewusstsein in der Gesellschaft reifen, dass man gar nichts gegen Bitcoin machen kann. Sonst werden nämlich die ersten Nutzer - wenn sie Pech haben - unter vollkommen überzogenen und unnötigen Repressionen leiden. Ich sage nicht, dass wir Änderungen am Protokoll durchführen sollten, um uns dem Staat anzupassen. Aber dem Staat kann man trotzdem Brücken bauen. Sonst macht der Staat einfach Hetze gegen uns. Damit werden wir schon fertig, ist aber eine unnötige Belastung.

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