Tuesday, 12 November 2013

Hier regiert der BVB





Ein Interview mit Radoslav Albrecht, Gründungsmitglied und Vorstand im Bundesverband Bitcoin e.V.

Warum wurde der Bundesverband Bitcoin gegründet und was genau sind seine Aufgaben?

Aufgrund der steigenden Popularität von Bitcoin und den immer noch weit verbreiteten Missverständnissen ist es an der Zeit, die Deutschen Bitcoiner angemessen zu repräsentieren. Wir wollen im Grunde so ziemlich alles abdecken, was mit Bitcoin zu tun hat - ein Blick in die Satzung gibt einen guten Überblick: sei es die Beratung von Behörden, NGOs oder Unternehmen, die Vertretung der Interessen der Nutzer, die Veranstaltung von Messen und Workshops - all das soll zukünftig von uns angeboten werden. Darüber hinaus können wir uns auch vorstellen, wichtige Softwareprojekte zu unterstützen oder Software selbst in Auftrag zu geben, wenn sie den Vereinszielen dient.

Wer kann Mitglied werden und wie wird sich der Bundesverband finanzieren?

Jeder der Interesse hat, kann Mitglied werden. Wir nehmen sowohl Privatleute als auch Unternehmen auf. Der Bundesverband Bitcoin wird über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Privatpersonen zahlen 25 EUR im Jahr (ermäßigt 10 EUR), juristische Personen (Unternehmen etc.) können zwischen verschiedenen Modellen wählen, sie zahlen zwischen 100 EUR und 2500 EUR. Wir begrüßen es natürlich, wenn in Bitcoins gezahlt wird und rechnen immer zum jeweiligen Kurs beim Zeitpunkt der Zahlung um. Zudem haben wir, da sich das Jahr bereits dem Ende nähert, ein besonderes Schmankerl für Frühbegeisterte: Wer dieses Jahr noch seinen Mitgliedsbeitrag entrichtet, der hat bis Ende 2014 bezahlt.

Wie ist das Verhältnis zur Bitcoin Foundation?

Wir stehen in engem Austausch mit Jon Matonis, der für die Bitcoin Foundation die internationalen Kontakte knüpft und pflegt. Der Kontakt ist also hergestellt. Ob und in welcher Art und Weise wir mit der Bitcoin Foundation zusammenarbeiten werden, hängt davon ab, ob sich unsere Vorstellungen der Zusammenarbeit decken werden. Letztendlich werden unsere Mitglieder darüber entscheiden, im Moment stehen noch alle Optionen offen. Es sei aber hervorgehoben, dass der Bundesverband Bitcoin zuerst und vor allem für seine Mitglieder arbeitet, und zwar auf die hiesigen Anforderungen und Bedürfnisse zugeschnitten.

Die Bitcoin Foundation wird ja in der Bitcoin-Szene recht kritisch gesehen. Was wollt ihr besser und anders machen?

Wir arbeiten "von unten nach oben", während die Foundation direkt in Washington versucht, Einfluss zu gewinnen. Wir werden zuerst die deutsche Bitcoin Community bündeln, um dann genau das zu tun, was diese Community will - der Vorstand sieht sich also eher als ausführendes Organ denn als Richtungsweiser. So sollen alle Mitglieder in der Gewichtung der einzelnen Aspekte mitbestimmen. Wir planen daher, dass jedes Mitglied seinen Beitrag zweckbinden kann, auf Rechtsberatung, Softwareentwicklung, Werbung, Lobbying - was eben individuell wichtig erscheint.

Wie ist eure Verbindung zu ähnlichen Initiativen in anderen Ländern?

Sowohl der Verband als auch die einzelnen Vorstände sind international bestens in der Szene verknüpft. Zurzeit entstehen viele nationale Bitcoin-Organisationen, mit denen wir uns regelmäßig austauschen.

Zurzeit besteht der Bundesverband nur aus einer kleinen Gruppe von Leuten, die zudem vor allem aus Berlin kommen. Wie soll er dem Anspruch gerecht werden, tatsächlich die Interessen aller Bitcoiner in Deutschland zu vertreten?

Die Gründungsmitglieder kennen sich größtenteils seit mehreren Jahren persönlich über Veranstaltungen, die regelmäßig in Berlin stattfinden, etwa über den monatlich stattfindenden Bitcoin-Stammtisch im Room77 oder die Bitcoin Exchange Berlin. Die Berliner Bitcoin-Szene hat maßgeblich dazu beigetragen, den Bitcoin national und international zu kommunizieren und zu verbreiten. Insofern erscheint es als konsequent, den Bundesverband auch in Berlin anzusiedeln. Der Verband arbeitet zu großen Teilen online – physische Treffen sind seltener notwendig. Von daher spielt es keine Rolle, ob unsere Mitglieder aus anderen Bitcoin-Hochburgen wie München, Frankfurt, Köln oder Nürnberg kommen oder eine kleinere Community anderer Standorte repräsentieren.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Mitglieder sammeln, Infrastruktur aufbauen. Anfang des nächsten Jahres wird ein neuer Vorstand gewählt, der sich dann zu 100% auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren soll. Wir haben ehrgeizige Ziele, was Angebote an die Community angeht. Das ist alles noch in Arbeit, wir wollen da keine leeren Versprechungen machen.


Radoslav Albrecht ist Gründer und Geschäftsführer der Peer-to-Peer-Kreditplattform Bitbond.net. Er wird den Bundesverband Bitcoin auf der nächsten BXB am 23.11. vorstellen.

2 comments:

  1. Gutes Interview und Ich freue mich zu sehen was der Bundesverband zustande bringt.

    Im Sinne von 'von unten nach oben' arbeiten ist der Titel 'Hier regiert der BVB' allerdings vielleicht nicht ganz optimal:)

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