Tuesday, 19 November 2013

Kurvendiskussion

Ein Kommentar zum Bitcoin-Boom von Aaron Koenig

Die derzeitige Kurssteigerung des Bitcoins macht einen ganz schwindelig: vor sechs Wochen konnte man einen Bitcoin noch für rund 100 Euro kaufen, seitdem geht es rapide aufwärts. 300 Euro, 400 Euro, 500 Euro – wohin soll das noch führen? Viele meinen, so eine extrem steile Wachstumskurve könne es nur bei einer "Blase" geben, die irgendwann platzen muss. Wird der Bitcoin-Kurs also bald wieder in sich zusammenbrechen, so wie die Preise für Tulpenzwiebeln in Holland im17. Jahrhundert?

Wir Menschen tun uns schwer mit solchen extremen Wachstumskurven und empfinden sie als irgendwie „unnatürlich“. Doch tatsächlich tritt exponentielles Wachstum in der Natur sehr häufig auf. Man sieht es bei Viren, bei Ratten, oder auch bei Menschen. Jede biologische Population kann exponentiell wachsen, wenn die Bedingungen günstig sind.


Bitcoin ist keine "Blase", sondern eine neue Technologie

Am Anfang sieht so eine typische "S-Kurve" relativ harmlos aus, doch ab einem gewissen Grad steigt sie durch das exponentielle Wachstum so rapide an, das sie beinahe vertikal nach oben zu ragen scheint. Wenn irgendwann eine Sättigung erreicht ist, flacht die Kurve dann wieder ab – daher der Begriff „S-Kurve“. Einen ganz ähnlichen Kurvenverlauf kann man auch bei technischen Innovationen beobachten, wenn sie sich auf breiter Front durchsetzen. Wir kennen S-Kurven vom Auto, vom Fernsehen, vom Internet und vom Handy. Auch die Wachstumszahlen von Google, Facebook oder Twitter zeichnen sich durch einen ähnlichen Verlauf aus.

Bitcoin ist eine neue Technologie, die den alten – also zum Beispiel: dem staatlichen Zentralbankgeld, Banküberweisungen und Kreditkarten – mindestens so sehr überlegen ist wie die E-Mail dem Fax oder das Auto der Pferdekutsche.Wie bei allen neuen Technologien dauert es eine Zeit, bis das Wachstum richtig beginnt. Nur einige wenige Verrückte wagen es zunächst, so seltsame Dinge zu tun, wie Post per Computer zu verschicken, mit einer Kutsche ohne Pferd zu fahren oder Geld ohne Banken zu überweisen.

Doch selbst diejenigen, die am Anfang über diese Neuerungen lächeln oder sie ablehnen, passen sich irgendwann an, wenn das neue Produkt dem alten tatsächlich so überlegen ist, wie es die „Early Adopter“ schon immer gesagt haben. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, gibt es bei der Durchsetzung neuer Technologien kein Halten mehr: die Wachstumsraten steigen dann so steil an, bis eine Sättigung erreicht ist. Oder bis die neue Technologie durch eine noch bessere ersetzt wird, wobei sich das Spiel wiederholt.


Kann Bitcoin das alte Geldsystem ersetzen?

Die Frage ist also nicht: ist Bitcoin eine Blase? Sondern: ist Bitcoin tatsächlich als Währung und weltweites Zahlungssystem dem bisherigen System so sehr überlegen, dass wir vor einem Systemwechsel stehen? Wenn wir diese Frage mit Ja beanworten, ist zu erwarten, dass wir gerade erst den Anfang der Wachstumskurve sehen. Das Angebot an Bitcoins ist per Definition beschränkt, das hat Satoshi Nakamoto im Bitcoin-Protokoll so festgelegt. Wenn die Nachfrage rapide ansteigt, muss folgerichtig auch der Preis steigen. Manche sagen, der Wert eines einzigen Bitcoin kann auch Hundertausend oder eine Million Euro erreichen (in heutiger Kaufkraft, lassen wir das Szenario einer Hyperinflation des Euro einmal beseite).

Es kann also sehr gut sein, dass wir über das heute als dramatisch empfundene Wachstum des Bitcoin von 100 auf 500 Euro eines Tages nur müde lächeln – und uns vielleicht ärgern, dass wir damals nicht zugeschlagen haben, als der Bitcoin noch so günstig zu haben war.

Genau so ist es natürlich möglich, dass der Bitcoin durch eine noch bessere dezentrale Währung ersetzt wird, die auf den gleichen Prinzipien aufbaut, aber noch mehr Vorteile bietet als das Protokoll von Satoshi Nakamoto. In diesem Fall sollte man seine Bitcoins schnell in diese neue Währung umtauschen, solange sie nur wenige kennen. Wir halten euch auf dem Laufenden.


Aaron Koenig ist Organisator der BXB und Herausgeber dieses Blogs.

3 comments:

  1. Super Artikel! Absolut einverstanden damit.

    Die Frage ist wird Bitcoins sich mittelfristig durchsetzen. Wenn das passiert sind auch 50.000 EUR / bitcoin nicht zu hoch.

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  2. Sorry Leute, aber ich hab schon so einige Börsenphasen mitgemacht und das, was aktuell mit dem Bitcoin läuft, ist eben nicht normal. Es wird ein Konsolidierung geben und die wird es ordentlich krachen lassen...

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  3. Für exponentielles Kurven empfiehlt sich immer eine logaritmische Tabelle zu verwenden. So ist das ziemlich irreführend.

    Im Frühjahr gab es auch einen Peak, und der sah aus wie ein riesiger Berg, wenn ihr euch erinnert und wenn ihr mit linearen Skalen gearbeitet habt. Nun schaut mal zurück, was für eine kleine Zappelei das heute ist am linken Ende der Graphik.

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